Geschichte
Ein langgezogenes, verlassen zu sein scheinendes Gebäude, das – der Jahreszahl unter dem gekrönten Buchstaben „R“ nach zu urteilen – im Jahre 1594 errichtet wurde. Vormals stand hier ein Haus, das edlen Rittern vorbehalten war und während der Herrschaft der Hussiten umgebaut wurde. Im 16. Jh. stand das Gebäude leer. Ein bisschen tiefer, in Richtung Burggraben, befand sich eine Aufbewahrungsraum für Böllerkanonen, die später zum Raub der Flammen wurde. Kaiser Rudolf II. stellte das nötige Geld für den neuen Aufbau bereit, im Rahmen dessen auch Bronzestatuen von Adrian de Vries gegossen wurden. Während des Dreißigjährigen Krieges kam eine Vielzahl von Skulpturen hinzu. Während der Herrschaft von Rudolf II. war hier eine Alchimistenwerkstatt, in der u. a. J. Kepler und Tycho de Brahe im kaiserlichen Auftrag nach Wegen suchten, um Gold, den Stein der Weisen oder das Elixier des Lebens herzustellen. Später wurde das Gebäude in eine Hofreitschule umgewandelt. Als jedoch vor dem Tor bei der Pulverbrücke schönere Stallungen errichtet wurden, verkam die einstige kaiserliche Gießerei zu einem Schuppen. Als man daran ging, die Hauptkirche zu erneuern, wurde das Gebäude als Lagerraum genutzt; später ging das gesamte Gebäude als Schenkung ans Domkapitel St. Veit und an dieser Stelle wurde das Domherrenhaus errichtet. Im Jahre 1816 wurde das Gebäude im klassizistischen Stil umgebaut, diente jedoch auch hundert Jahre später wieder als Stallung. Seine jetzige Gestalt erhielt es im Jahr 1964 und später dann 1990… genutzt und instand gesetzt wird es bis heute.
Restaurant Vikárka
Zu Beginn des 14. Jh. befanden sich an dieser Stelle kirchliche Einrichtungen; als jedoch unter der Herrschaft von Karl IV. den Vikaren das Braurecht eingeräumt wurde, floss der Gerstensaft auch bei der Geistlichkeit in Strömen. Während der Hussitenkriege kam es zu einem Einbruch des Brauwesens, unter der Herrschaft von Kaiser Rudolf II., der auf der Prager Burg seinen Herrschaftssitz hatte, erlebte es seine große Blüte. Auf seinem Hof waren viele spanische Granden zu Gast, die nicht zu sparen brauchten und ihr Geld in der hiesigen Schenke ausgaben. Aber auch Künstler aus aller Herren Länder begossen hier im Vladislav-Saal ihre ausgehandelten Geschäfte...
Gegenwart
Der Vikárka-Gebäudekomplex wurde im Herbst 2005 einer grundlegenden Sanierung unterzogen, an der eine Vielzahl begabter und bekannter Persönlichkeiten einen bedeutenden Anteil hatte. Der Entwurf des Bauprojekts stammt aus dem Atelier des Architekten Ladislav Lábus. Die Innenausstattung wurde von Jan Mayer, dem Vorsitzenden der Linhart-Stiftung, Yvona Bělíková und Tomáš Kuča konzipiert, die gemeinsam eine Reihe von hochinteressanten Projekten nicht nur in Prag, sondern auch im Ausland umgesetzt haben (Renovierung einer Villa in der Jan-Masaryk-Straße, das Restaurant Lary Fary, das Restaurant Victoria, die Galerie NOD, das Theater Labyrint, das Alte Umspannwerk, das Schloss Wachbach, die Abteilung Kinderhämatologie im Krankenhaus Motol u. a.).
Wodurch sich diese Architekten bestimmt auszeichnen sind Feingefühl und ein Sinn für das Ursprüngliche, wovon sowohl die Gießerei Rudolfs II. zeugt (die auf das Konto der männlichen Vertreter dieses Trios geht), als auch das von Yvona Bělíková entworfene Erdgeschoß. Maler, Restauratoren, Dekorateure und viele weitere geschickte Hände, die mit den o.g. Architekten bereits seit Jahren zusammenarbeiten, zögerten nicht, den ihnen überlassenen kreativen Spielraum zu nutzen.

